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Doppelmord in Neukirchen 1913

Sich der Geschichte zu stellen und Wahrheiten anzuerkennen
ist nicht immer leicht.

So eine Geschichte hat Josef Hatzl, von den Arbeitskreisen Marterl und Geschichte aufgearbeitet und zu einem Vortrag zusammengestellt

Sepp Hatzl am Gedenkstein für die Mordopfer Mit diesem Vortrag sollten keine alten Wunden aufgerissen werden, vielmehr galt es das Interesse für die oft wenig beachteten Flurdenkmale zu wecken.

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Jede dieser Steinsäulen im Gemeindegebiet weiß ihre eigene Geschichte zu erzählen, doch nur die wenigsten geben sie preis. Anders verhält es sich mit dem Marterl um den Doppelmord in Neukirchen.

 In seinem einstündigen Vortrag beschrieb Hatzl den genauen Tathergang, die Hintergründe des Verbrechens und die Verurteilung des Täters. Auch den Bezug zu noch lebenden Angehörigen stellte er in einer aufwendigen Bildschirmpräsentation her.

Die aufmerksamen Zuhörer im gut besuchten Saal des Gasthauses Neukirchen belohnten den Referenten mit großem Applaus.


Was war damals geschehen?

Der 32-jährige Bauerssohn Josef Aigner war noch bis 18 Uhr im Garten der Kirchberg’schen Gastwirtschaft in Thalham. Sein Nachhauseweg führte ihn über Einhaus nach Neukirchen.
Zur gleichen Zeit kam es in der Veicht´schen Gastwirtschaft in Neukirchen, wegen einer unbezahlten Maß Bier und eines zerbrochenen Bierglases, zu einem Streit. Die beteiligten Stollenbauarbeiter wurden von Veicht und Moser (Beide 37 Jahre alt) aus der Wirtschaft gewiesen.
Draußen, in der Nähe der Wasser-Reserve, kam es anschließend zu einer handfesten Rauferei.
Als sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, kam Aigner über Einhaus daher und ergriff Partei für die Unterlegenen.
Aigner lockte mit Schimpfworten den Bauern Johann Moser zu sich, dieser war kaum bei ihm angelangt, da verletzte er ihn mit Messerstichen tödlich. Gleich darauf eilte Sebastian Veicht seinem Freund zu Hilfe, aber auch er brach sofort tödlich verletzt zusammen.

Josef Aigner wurde im März 1914 zu 10 Jahren Zuchthaus und zum Tode verurteilt.
Der König hat ihn dann zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt.

Eigenartiger Weise sind nach der Verurteilung Stimmen laut geworden, die den Mordvorgang und die Vorgeschichte des Mordes und den Mörder selbst neu beleuchteten.
Das Verfahren sollte neu aufgerollt werden, da kam die überraschende Wende.
Josef Aigner machte seinem Leben freiwillig ein Ende, er erhängte sich in seiner Zelle.

Verfasser: Josef Hatzl / Fotos: Peter Kallert